Pflegende Angehörige

 

Für die über 54.000 pflegebedürftigen Menschen im Land Brandenburg spielen die pflegenden Angehörigen eine besondere Rolle. Ohne sie wäre die Pflege in der Häuslichkeit nicht denkbar. In der Mehrzahl der Pflegefälle bewältigen die Angehörigen die Pflege allein ohne professionelle Unterstützung durch einen Pflegedienst.

 

Titelblatt Für viele pflegende Angehörige ist die Pflege und Betreuung des hilfebedürftigen Familienmitgliedes nicht die einzige Aufgabe. Ein Drittel aller familiär pflegenden Menschen sind zusätzlich erwerbstätig und stellen sich täglich der kräftezährenden Herausforderung, Beruf und Pflege des Angehörigen unter einen Hut zu bekommen. Im Rahmen der Pflegeinitiative Brandenburg hat das Sozialministerium eine Broschüre herausgegeben, die ganz praktische Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten sowohl für pflegende Angehörige als auch für Arbeitgeber zusammenfasst. Die Broschüre „Beruf und Pflege vereinbaren“ kann in der Pressestelle des Sozialministeriums über das Internet www.masgf.brandenburg.de als Printversion bestellt werden. Sie steht Ihnen aber auch hier als Download zur Verfügung.

Unter dem Schwerpunkt „Stärkung der gesellschaftlichen Verantwortung für Pflege und Betreuung“ will die Pflegeinitiative der Unterstützung pflegender Angehöriger einen breiten Raum widmen. Pflegende Angehörige sollen einen Überblick über die regionalen Beratungs- und Entlastungsangebote erhalten. Bestehende Erfahrungen sollen bekannt gemacht werden.

 

Ich pflege
Der Gesundheitszustand von älteren Menschen kann sich schleichend, oft aber auch rapide verschlechtern, etwa durch einen Schlaganfall oder einen schweren Sturz. Wenn ein Mensch pflegebedürftig wird, ist das ein schwerer Schlag für denjenigen selbst, aber auch für die Angehörigen. Was bedeutet es, einen hilfebedürftigen Verwandten zu pflegen? Mit welchen Sorgen und Nöten, aber auch mit welchen praktischen Fragen des Pflegealltags sehen sich pflegende Angehörige konfrontiert?

Im Folgenden sollen pflegende Angehörige selbst zu Wort kommen, die einen authentischen Eindruck vermitteln können. Wenn auch Sie einen Beitrag zu diesem Thema veröffentlichen wollen, schreiben Sie eine Mail an: pflegeinitiative@masgf.brandenburg.de

 


Interviewausschnitte aus dem Projekt "Betroffene sprechen über ihre Erfahrungen in der Pflege von demenzerkrankten Angehörigen"


„Bei einem Demenzerkrankten ist jeder Tag anders. Du kannst nie sagen, also heute erwartet mich das oder morgen ist das, das sind jeden Tag neue Herausforderungen. Manchmal beginne ich glücklich, gehe nach Hause und denke, jetzt haben wir eine schöne Phase. Nächsten Tag oder abends dann schon, wenn ich sie ins Bett bringe, ist alles anders. Ist alles anders! Da schreit sie mich an.“

„Also ich geh jetzt damit auch selber ganz anders um. Ich merke das, ich steck das jetzt wirklich besser weg und hilfreich ist mir jetzt auch die Gruppe. Das ich jetzt hier in der Gruppe sein kann, denn da höre ich ja, dass es denen ja auch allen so geht. Dann lass ich das mit meiner Mutter nicht alles so dicht an mich heran. Wenn ich abends z.B. hingehe und mach sie zur Nacht fertig und sie ist ganz, ganz schlimm, dann gehe ich noch eine Runde um unser Haus. Und wenn ich zu Hause wieder ankomme, hab ich´s weggesteckt. Da bin ich jetzt ganz stolz. Und ich schlaf auch abends dann jetzt ein.“

„Den wenigen Freiraum genieße ich jetzt viel bewusster. Das hab ich gelernt die schönen Momente zu genießen. Und wichtig für mich ist es, dass man über die Krankheit spricht und sich Hilfe holt.“
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Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e. V.


Frau Waltraud Theinert:

Seit zehn Jahre komme ich nun in die Potsdamer Gruppe für Angehörige von Alzheimerkranken. Als ich damals in der Zeitung davon las, war ich ausgesprochen skeptisch: Was sollte ich dort! Und Zeit hatte ich doch sowieso nicht. Alle Zeit und Kraft brauchte ich doch für meinen Mann, den Haushalt und all das Drum und Dran. Heute weiß ich, wie viel mir diese Gruppe hier geholfen hat. Erst recht, als mein Mann dann einmal wöchentlich in die Betreuungsgruppe ging. Für ihn war es schön und für mich endlich ein wenig Entlastung. Die Angehörigengruppe ist mir ein Stück Heimat geworden. Alle haben das gleiche Leid, wir können über alles sprechen. Sonst kann sich doch niemand da hinein versetzen. Ich bin dankbar, dass ich diese Gruppe gefunden habe. Sie gibt Kraft und half mir über die Zeit. Auch, als mein Mann dann gestorben ist.


Frau Susanne Martens (Name von der Redaktion geändert):
Mein Mann macht mir immer Vorwürfe. Ich würde ihm einreden, dass er blöd sei und alles verbieten. Es gibt genug Leute, die das sogar glauben. Er kann nach außen so ein guter Schauspieler sein. Manchmal weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Deshalb bin ich so froh über die Treffen mit anderen Angehörigen und die Betreuungsgruppe. Weil es mir gut geht, wenn er sich wohl fühlt. Einmal kam mein Mann aus der Gruppe und sagte: Heute haben wir getanzt. Er war so glücklich und gelöst. Das hatte ich lange nicht erlebt.

Einen Überblick über bereits bestehende Beratungs- und Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen erhalten Sie unter www.alzheimer-brandenburg.de.

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